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"Du bereitest vor mir einen Tisch..."
Was ist eigentlich ein Feierabendmahl?
So frage ich mich, als ich mich auf den Weg gemacht habe in den Gemeindesaal, um es einmal selbst zu erleben … an einem Abend mitten in der Woche: Feierabend – der Tag, die Arbeit liegt zurück, die Gedanken klingen noch nach. Im Gemeindesaal warten Menschen, die die Ankommenden begrüßen, ihnen ein Liedblatt überreichen, m anchmal auch noch etwas anderes: einen Stein, ein Blatt Papier, in einer besonderen Form – etwas, das nachher im Gottesdienst eine Rolle spielen wird. Der Gemeindesaal ist festlich geschmückt, ein Altar ist aufgebaut mit Blumen und Kerzen, in der Mitte des Raumes etwas, das den Blick auf sich zieht. Das alles haben Menschen aus der Gemeinde vorbereitet: der Feierabendmahls-Vorbereitungskreis, Frauen und Männer verschiedenen Alters, die auch die Liturgie des Gottesdienstes gestalten. Im Kreis sitzen Menschen, ich schaue in die Gesichter: manche kenne ich gut, andere sind mir ganz unbekannt. Nach einem kurzen Ansingen weniger bekannter Lieder wird es still im Raum; Musik, ein paar Worte, die mich abho len, mir Zeit geben, mir helfen, wirklich hier anzukommen… Wie jeder Gottesdienst beginnt das Feierabendmahl mit der Vergewisserung, dass die Feiernden zusammen sind im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Psalmen werden gesprochen oder gesungen, Gebete in unserer Sprache, Fragen, Gedanken zu einem biblischen Text formuliert, im Zusammenhang gehört mit einer Notiz aus der Zeitung, einem Gedicht, einem Bild… Nicht die Pfarrerin alleine spricht – sondern verschiedene Menschen aus dem Kreis bringen ihre Gedanken zusammen. In der Vielstimmigkeit findet jeder sich an i rgendeiner Stelle wieder. Immer wieder ist die Gemeinde eingeladen, auch selber mitzutun: Zu singen und zu beten, vielleicht auch eine Kerze anzuzünden, einen Stein zur Hand zu nehmen, zu fühlen, seine Wirkung zu spüren, ihn wieder irgendwo abzulegen… Allerdings: Nie ist es so, dass ich etwas tun müsste, was mir im Augenblick widerstrebt; wer nur stillsein und schauen und hören möchte, kann dies ebenso tun… Ich merke, wie ich zur Ruhe komme, die Anspannung des Tages sich löst, meine Gedanken freier werden, sich öffnen, Neues aufzunehmen… Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht die Feier des Abendmahls: Wir hören die Worte, mit denen Jesus selbst seine Jünger eingeladen hat und ihnen versprochen, da, wo sie Brot und Wein teilen in seinem Namen, da werde er selbst mitten unter ihnen sein. Ich bekomme von meiner Nachbarin ein Stück Brot gereicht mit einem Segenswort, es duftet, ich esse davon, gebe dem, der neben mir sitzt, davon weiter. Alle haben Zeit. "Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ – selten habe ich das Wort so intensiv nachempfunden. Genauso werden im Anschluss Becher mit rotem Traubensaft geteilt, dem Gewächs des Weinstocks… Nach dem Dankgebet werden Fürbitten gesprochen, ich denke an Menschen, die mir nahe sind, und bitte im stillen auch für sie. Nach dem Segen und dem gemeinsamen Singen zum Schluss lädt die Pfarrerin alle ein, wenn sie mögen, noch ein wenig da zu bleiben, mit den anderen ins Gespräch zu kommen. Manche gehen, wollen für sich sein mit dem, was sie gerade erlebt haben – aber der Raum sieht so warm und einladend aus, dass ich noch gar nicht weg mag, also setze ich mich an einen der Tische, die schnell zusammengestellt werden, es dauert nicht lange, da bin ich anderen im Gespräch, erlebe: So kann Gemeinde Jesu Christi sein.
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